Ein Morgen am Außenriff

Gestern waren wir unterwegs im Süden um Blauwasser-Tauchgänge zu unternehmen. Unsere Ziele waren klar: transparentes Wasser, Tiefe und Colins Wasserflaschen-Trick mit dem wir Großfisch anlocken wollten.

Wir waren zu Fünft auf dem Boot Eagle Ray unterwegs und nicht zu knapp mit Vorfreude ausgestattet. Den ersten Versuch starteten wir an der Südspitze bei Yap Caverns. Beim zweiten Tauchgang am Big Bend hat es so gekachelt, dass man glauben könnte, die Strömung verschiebt Korallenblöcke. Aber nicht so schlimm, wir wollten sowieso Strecke machen und nicht am Riff bleiben, und wie könnte das besser funktionieren als mit ordentlicher Strömung und einem nachfolgenden Boot.

Nach dem Abtauchen schauten wir uns erst einmal um und schon beim Hinabtauchen ins natürliche Amphitheater vom Yap Caverns kam uns ein neugieriger Weißspitzen-Riffhai entgegen, der freundlicherweise direkt in Richtung der Kamera schwamm.

Jenseits der Steilwand griff Colin auch direkt nach der Wasserflasche und legte los. Und da liegt der Unterschied zu den normalen Begegnungen mit Haien:  Beim Tauchen in Yap sieht man Haie bei allem Möglichen – bei der Körperpflege, schlafend, beim Herumknabbern an Thunfischköpfen, so ziemlich alles, was Haie eben so machen, manchmal bei Nachttauchgängen auch bei der Jagd .

So kommen die Haie allerdings in freudiger Erwartung auf einen Leckerbissen geradewegs aus dem Blau auf die Plastikflasche zugeschossen. Jeder der beiden Tauchgängen startete mit ein oder zwei Haien in Sichtweite, nach Colins Wasserflaschentrick waren es aber schnell mehr als 20 jeden Alters und jeder Größe. Graue Riffhaie in Schulen und verstreute Weißspitzen.

Hinter der Wand von Yap Caverns geht das Riff in ein schräg abfallendes Plateau über und mündet dann jenseits der 60 Meter-Marke in eine weiße Sandfläche mit wenigen Korallen. Auf dem Weg dorthin kommt man an mehreren Hai-Putzerstationen vorbei, wo 15 Zentimeter kleine Putzerlippfische durch die Kiemen von Weißspitzenhaien und Grauen Riffhaien wuseln, die ihrerseits mit offenem Maul in Zeitlupe über dem Korallenblock kreisen. Dieser Platz ist allerdings schon 50 Meter tief.

Soweit brachte uns die Wasserflasche die Haie bis in Taucher-freundliche Tiefe an die Wand von Yap Caverns. Allerdings hat der Trick natürlich nicht die Langzeitwirkung wie ein Eimer voll gefrorener Thunfischköpfe.

Nach dem kleinen Experiment in Sachen Haiverhalten, zogen wir weiter mit der Strömung. Auf dem Weg begegneten wir kleinen Hundezahn-Thunfischen, einer Echten Karettschildkröte, einem Großen Barrakuda von einem Ausmaß, der seinem Namen alle Ehre macht, und natürlich jeder Menge Riff-Fisch.

Beim zweiten Tauchgang zückten wir die Flasche nachdem wir in knapp 30 Meter Tiefe angekommen waren. In Handumdrehen waren wir von einem Geschwader von Grauhaien umgeben, das aus dem Blau heranschoss und uns in die Mitte nahm.  So wurden wir Teil einer Familienveranstaltung, denn es waren auch Babyhaie in der Gruppe. Insgesamt hatten über 20 Haie die Spur aufgenommen und schwammen nun den Riffhang auf und ab.

Der Tauchgang begann mit ordentlicher Strömung, sodass das Riff förmlich an uns vorbei gesaust ist.  Um bei solchen Bedingungen Fotos zu machen braucht es schon etwas Übung. Irgendwann kam die Strömung zum Erliegen nur um plötzlich aus der Gegenrichtung zu kommen!

Das Tauchen an dieser Stelle ermöglicht zwei Dinge: einerseits den Panorama-Effekt durch die grandiosen Sichtweiten und den Großfisch, auf der anderen Seite das Riffleben, kleine Fische, Weichkorallen und Überhänge.
Hinter einer Teppichanemone, in dem sich ein Paar Clownfische tummelte, fanden wir eine gestreifte Putzergarnele, die aus dem Versteck lugte.

Leider bekamen wir dieses Mal keinen Silberspitzenhai oder eine andere Art, die größer als ein Taucher ist. Aber wir sind mit dem Flaschen-Trick ganz sicher noch nicht fertig!

(c) Brad Holland 2013.

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